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Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Wirtschaftsinformatik und Nachhaltiges IT-Management – Prof. Dr. Gilbert Fridgen

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Forschung

Unsere Forschung gliedert sich in drei größere Bereiche auf. Zum einen interpretieren wir nachhaltiges IT-Management aus zwei verschiedenen Perspektiven. So sollte IT-Management Grundsätze der Nachhaltigkeit berücksichtigen, um langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten. IT ist selbst aber auch ein Mittel, um in anderen Bereichen - insbesondere in der Energiewirtschaft - Nachhaltigkeit zu erreichen. Zum anderen beschäftigen wir uns seit 2015 mit den disruptiven Potentialen der Blockchain, um zu untersuchen, wie die Blockchain-Technologie nachhaltig in bestehende Systeme eingegliedert werden kann.

Management der digitalen Transformation

Informationssysteme durchdringen alle Branchen und Unternehmen. Dieser ursprüngliche Kern der Wirtschaftsinformatik wird heute unter dem Begriff der Digitalisierung auch in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Die meisten und die erfolgreichsten Unternehmen haben bereits erkannt, dass IT nicht nur Kosten verursacht, sondern dass eine gezielte Weiterentwicklung und ein aktives Aufgreifen neuer Trends für das Bestehen im Wettbewerb unabdingbar sind. Gerade jüngere Wettbewerber zeichnen sich allerdings auch durch eine jüngere, damit meist deutlich weniger komplexe IT-Landschaft aus und haben somit gegenüber etablierten Unternehmen einen systematischen Vorteil. Ein kurzfristiger Weg, um dem zu begegnen, wird unter dem Begriff Two-Speed-IT diskutiert: Aktuellen Trends wird in separaten Abteilungen oder gar Organisationen nachgegangen – auch auf die Gefahr hin, dass dies die Komplexität der IT-Landschaft auf Jahre hin weiter erhöht. Die langfristig nachhaltigere Strategie ist es, sich mit der Komplexität auseinanderzusetzen und sie der IT evolutorisch wieder zu nehmen. Projekte zur IT-Transformation erfordern dabei eine Betrachtung der IT als komplexes System, das durch eine Vielzahl von Abhängigkeiten geprägt und in großen Teilen wenig fehlertolerant ist. Um Dominoeffekte scheiternder Projekte zu vermeiden, deren Schäden sogar das Bestehen des Unternehmens selbst gefährden können, ist somit ein fortgeschrittenes IT-Portfoliomanagement notwendig, welches heute in kaum einem Unternehmen vorzufinden ist.

Digitalisierung der Energiewende

Durch den Ausbau von Wind- und Photovoltaikanlagen und sukzessiver Abschaltung der Kernkraftwerke wird das Stromangebot in Deutschland immer volatiler. Um diese zentrale Herausforderung der Energiewende zu lösen, werden Maßnahmen wie Netzausbau, Entwicklung neuer Speichertechnologien oder Installation zusätzlicher flexibler Produktionskapazität auf Basis fossiler Brennstoffe diskutiert. Netzausbau und Pumpspeicherkraftwerke erfordern Eingriffe in die Landschaft, andere Speicher sind aufwendig und verlustbehaftet und fossile Produktionskapazität widerspricht den Klimazielen. Ein vielversprechender Weg ist daher die Nutzung von Flexibilität im Stromverbrauch, das heißt die dynamische Anpassung der Nachfrage an das Angebot, auch bekannt unter dem Terminus Demand Side Management. Damit dies erfolgreich ist, müssen IT-Lösungen vom einzelnen Stromverbraucher über ein intelligentes Stromnetz bis hin zu den Strommärkten reichen. In unserer Forschung beschäftigen wir uns mit ebendiesen intelligenten Netzen und – aufgrund unseres betriebswirtschaftlichen Hintergrunds - mit deren Anbindung und Wirkung an den Elektrizitätsmärkten.

Unchaining the Blockchain

Die Blockchain ist mehr als nur die Technologie hinter ihrer bisher erfolgreichsten und bekanntesten Anwendung, dem Bitcoin. Eine ihrer Kerneigenschaften ist die manipulationssichere Speicherung von Informationen auf der Blockchain selbst. Dies erlaubt den problemlosen, bilateralen Austausch von digitalen Gütern. So war für (digitale) Abbildungen (Bankkonto) physischer Güter (Geld) bisher immer ein vertrauensvoller Intermediär (Bank) notwendig, um einen möglichen Transfer zu garantieren. Mit der Blockchain-Technologie wird der Intermediär jedoch obsolet werden, zumindest in dieser Rolle. Denn die Blockchain erlaubt transparente und nachvollziehbare organisationsübergreifende Geschäftsprozesse, was wiederum eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten eröffnet. Diese reichen von der heute schon möglichen Gestaltung revisionssicherer Prozesse über vereinfachte Containerlogistik bis hin zu ersten Ideen von ökonomisch unabhängig agierenden Maschinen. Auch wenn der Gartner Hype cycle von 2016 die Blockchain auf dem Höhepunkt der überzogenen Erwartungen listet, hat die Technologie also das Potential, die Wirtschaft in bestimmten Bereichen zu revolutionieren. Um die Blockchain deshalb nachhaltig in bestehende Systeme einzugliedern, erforschen wir systematisch und analytisch ihr Potential. Hierzu sind wir beim Aufbau des Fraunhofer-Blockchain-Labors beteiligt.

In unserer Forschung arbeiten wir auch eng mit weiteren Kollegen des ​Kernkompetenzzentrum Finanz- & Informationsmanagement zusammen, hier insbesondere mit den Forschungsbereichen Strategisches IT-Management und Energie und kritische Infrastrukturen.


Verantwortlich für die Redaktion: Sekretariat NIM

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